Grade im Fremden ist das oft ein sehr verzwickter Moment, wenn nach einem leckeren ausgiebigen Essen im Lokal, serviert von einem freundlich zuvorkommenden Service, die Rechnung am Ende übergeben wird. Dann kreisen schon gerne einmal die Gedanken: Waren es jetzt 5%, 10% oder sogar 20% Trinkgeld? Oder lieber nichts? Was viele nicht wissen, die gesellschaftlichen Regelungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich und in manchen Ländern ist Trinkgeld geben sogar direkt unhöflich. Hier ein kleiner Überblick zum internationalen Trinkgeld-Knigge.
Italien:
Mit ihrem Coperto (ital., Gedeck) haben die Italiener eine Servicegebühr, die automatisch auf den Rechnungsbetrag aufgeschlagen wird, macht etwa einen oder zwei Euro aus.
Daher sind Trinkgelder in vielen teilen Italiens noch eher unüblich - Totzdem freut sich natürlich auch ein italienischer Kellner über eine Wertschätzung für seine Mühen.
Kroatien:
In Kroatien gibt man wie in Deutschland üblicherweise 5-10 % der Rechnungssumme. Es wird jedoch wie in den italienischen Bars nicht unbedingt erwartet. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: an sehr touristischen Orten ist das Trinkgeld geben schon sehr gebräuchlich, hier könnte man sich durchaus einen bösen Blick zuziehen wenn gar nichts auf dem Trinkgeld-Teller auftaucht.

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Großbritannien:
In Großbritannien fällt das „tip“ meistens etwas großzügiger aus. Hier ist man bei etwa 10-15 %. Bei der Herkunft des englischen Wortes „tip“ sind sich Sprachforscher noch heute nicht sicher. Vermutet wird aber, dass es aus der Gangstersprache aus dem 17. Jahrhundert stammt wo „to tip“ sowas wie „geben“ oder „weiterleiten“ bedeutete.
USA:
Viele denken, dass der klassische 1 Dollarschein in den USA als Trinkgeld reicht. Fehlanzeige! In den USA sind mindestens 15 % Pflicht, oft sogar mehr. Ursprünglich brachten englische Reisende im 19. Jahrhundert die Sitte aus Übersee mit. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine „Anti-Tipping Society“ gegründet, welche für die Abschaffung des „Tipping“ war, da es gegen die Idealen des Landes sprechen würde. Bedienungen lehnten sogar Trinkgelder ab, da sie ihren Lohn nicht gefährden wollten. In mehreren Bundesstaaten wurde „tipping“ sogar als Straftat angesehen. 1926 wurden diese Gesetzte aufgehoben und mittlerweile gehört das Trinkgeld geben in den USA nicht nur zum Alltag, sondern es ist auch sehr verpönt wenig oder gar keines zu geben.

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Deutschland:
In deutschen Gastronomiebetrieben, werden üblicherweise, abhängig von der Zufriedenheit des Kunden 5-10 % der Rechnungssumme erwartet. Oft wird auch einfach auf den nächst höherem Betrag aufgerundet. Wer das Trinkgeld letztendlich bekommt, hängt vom Betrieb ab. Manche Gastronomen teilen das gesamte Trinkgeld einer Schicht auf alle in dieser Schicht Arbeitenden auf. Andere teilen nur einen bestimmten Anteil unter den anderen Mitarbeiter auf. Wie man es macht muss aber im Arbeitsvertrag festgehalten werden.
Japan
Von allen Ländern um den Globus stellt dieses Land bezüglich Trinkgeldes eine Ausnahme dar. Guter Service ist in Japan selbstredend, berichtet der Stern. Gibt ein Tourist trotzdem Trinkgeld, so wird dies eher als Beleidigung oder Kränkung angesehen.
Auch in Teilen Chinas ist dies bis heute so. In großen Städten oder touristischen Gebieten allerdings, verflüchtigt sich diese Tradition zunehmend, hier ist ein Trinkgeld dann schon wieder angebracht.
Indien
Etwas südlicher im Asiatischen Raum, gehört das Trinkgeld zu den Gepflogenheiten wieder dazu. Hier sind in der Regel 5-10% angebracht. Auch im Hotel, den Rickshaws, Taxis oder Flughafentransfers ist eine kleine persönliche Aufstockung angebracht. Allerdings weisen Reiseexperten darauf hin in den Hotels nicht den Personal Mitgliedern einzeln das Geld zu überreichen, sondern besser an der Hotelrezeption mit dem Vermerk dieses weiterzugeben.
Der Trinkgeld-Dschungel kann schonmal sehr verwirrend sein. Letztendlich sollte man sich merken, lieber etwas viel als zu wenig Trinkgeld und ein aufrichtiges Lob ist ohnehin unbezahlbar. Zur Sicherheit kann auch nochmal beim Reiseleiter vor Ort oder an der Hotelrezeption nach den Gepflogenheiten in der entsprechenden Region nachgefragt werden.
